Wer zu Hause Fotos, Dokumente und Mediadateien zentral speichern möchte, denkt meist sofort an bekannte Hersteller wie Synology oder QNAP. Diese Geräte sind ausgereift, komfortabel – und entsprechend kostspielig. Doch es gibt eine Alternative, die in der Heimanwender-Community seit Jahren an Beliebtheit gewinnt: der Raspberry Pi als selbst gebauter Netzwerkspeicher.
Mit dem richtigen Betriebssystem-Image und etwas Geduld bei der Einrichtung lässt sich aus dem kleinen Einplatinencomputer ein leistungsfähiger Dateiserver bauen, der rund um die Uhr läuft und dabei kaum Strom verbraucht.
Was wird benötigt – und was kostet es wirklich?
Für einen funktionsfähigen Raspberry-Pi-NAS braucht man nicht viel:
- Raspberry Pi 4 oder 5 (4 GB RAM empfohlen): ca. 55–80 Euro
- MicroSD-Karte (mindestens 16 GB, nur für das Betriebssystem): ca. 8–12 Euro
- USB-3.0-Festplatten (extern, eigene Stromversorgung empfohlen): ab ca. 40 Euro pro Terabyte
- USB-Hub mit eigenem Netzteil (bei mehreren Festplatten): ca. 20–35 Euro
- Gehäuse mit Lüfter (optional, aber empfehlenswert): ca. 10–20 Euro
Die Gesamtkosten für ein Zwei-Festplatten-System bewegen sich damit zwischen 150 und 220 Euro – deutlich weniger als ein vergleichbares Einstiegs-NAS von Synology, das ohne Festplatten bereits ab 180 Euro beginnt.
Ein wichtiger Hinweis: Der Raspberry Pi nutzt USB-Anschlüsse für externe Festplatten, da er keinen nativen SATA-Controller besitzt. Das limitiert den Datendurchsatz im Vergleich zu dedizierten NAS-Geräten spürbar.
OpenMediaVault: Das Herzstück des Systems
Die beliebteste Software-Lösung für diesen Zweck ist OpenMediaVault (OMV) – ein Debian-basiertes Betriebssystem, das speziell für den Einsatz als Netzwerkspeicher entwickelt wurde. Die Oberfläche ist browserbasiert und damit auch für Nutzer ohne Linux-Kenntnisse gut bedienbar.
Die Installation erfolgt in wenigen Schritten:
- Das offizielle OMV-Image für Raspberry Pi von der Projektwebsite herunterladen
- Mit einem Tool wie Raspberry Pi Imager oder Balena Etcher auf die MicroSD-Karte schreiben
- Den Pi booten, per Browser auf die Weboberfläche zugreifen (Standard-IP aus dem Router ablesen)
- Festplatten einbinden, Freigaben einrichten, Benutzer anlegen
Bereits nach einer Stunde steht ein funktionierender Netzwerkspeicher bereit, der über SMB (Windows-Netzwerkfreigabe), SFTP oder sogar WebDAV erreichbar ist. Wer möchte, kann über das Plugin-System auch Nextcloud nachinstallieren und erhält damit einen vollwertigen Cloud-Ersatz mit Kalender, Kontakten und Dateifreigabe – vollständig unter eigener Kontrolle.
Leistung im ehrlichen Vergleich
Hier ist Ehrlichkeit gefragt. Ein Raspberry Pi 4 erreicht über USB 3.0 beim Schreiben auf eine externe Festplatte Werte zwischen 80 und 110 MB/s – das reicht für den Hausgebrauch vollkommen aus. Wer jedoch mehrere Nutzer gleichzeitig betreibt, 4K-Videos direkt vom NAS streamt oder regelmäßig große Datenmengen transferiert, wird an die Grenzen stoßen.
Kommerzielle NAS-Systeme bieten dagegen:
- Dedizierte SATA-Ports mit höherem Durchsatz
- Offiziellen Hersteller-Support und regelmäßige Sicherheitsupdates
- Ausgereifte Apps für Backup, Surveillance und Multimedia
- Hardware-Verschlüsselung ohne Leistungseinbußen
Für eine vierköpfige Familie, die Fotos sichert und Dokumente teilt, ist der Raspberry Pi jedoch vollkommen ausreichend. Für ein kleines Büro mit intensiver Nutzung empfiehlt sich dagegen eher ein dediziertes Gerät.
Energieverbrauch: Überraschend effizient
Ein oft unterschätzter Vorteil des Raspberry Pi ist sein geringer Stromverbrauch. Im Dauerbetrieb zieht ein Pi 4 mit einer externen Festplatte etwa 8–12 Watt. Bei einem deutschen Strompreis von rund 30 Cent pro Kilowattstunde entstehen so Jahreskosten von etwa 21–32 Euro – vergleichbar mit günstigen Markensystemen.
Wer noch sparsamer wirtschaften möchte, kann über OMV den automatischen Festplatten-Schlafmodus aktivieren, sodass die Platten nur drehen, wenn tatsächlich auf sie zugegriffen wird.
Sicherheit nicht vergessen
Ein selbst betriebener Netzwerkspeicher trägt auch datenschutzrechtliche Verantwortung. Wer den Pi aus dem Internet erreichbar macht, sollte unbedingt:
- Standardpasswörter sofort ändern
- SSH-Zugang mit Key-Authentifizierung absichern
- Regelmäßige OMV-Updates einspielen
- Eine externe Backup-Kopie der Daten anlegen (das NAS selbst ist kein Backup!)
Besonders der letzte Punkt wird häufig vernachlässigt. Ein NAS – ob selbst gebaut oder gekauft – ist ein zentraler Speicherort, aber kein Ersatz für eine separate Sicherungskopie.
Fazit: Sinnvoll, aber nicht für jeden
Der Raspberry Pi als NAS ist eine clevere Lösung für technisch interessierte Nutzer, die Kontrolle über ihre Daten schätzen und keine hohen Summen investieren möchten. Die Einrichtung mit OpenMediaVault ist in vertretbarer Zeit zu bewältigen, und die laufenden Kosten sind gering.
Wer jedoch Plug-and-Play erwartet, mehrere gleichzeitige Nutzer bedienen muss oder auf professionellen Support angewiesen ist, sollte zu einem dedizierten NAS-System greifen. Für alle anderen gilt: Ausprobieren lohnt sich – und das Budget für die gesparte Hardware kann sinnvoll in hochwertige Festplatten investiert werden.